Hospizgruppe Freising e.V.

Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst

aus der Freisinger SZ vom 23. Juni 2009 :

Ein Schritt hin zu mehr Rechtssicherheit

Patientenverfügung erhält größeres Gewicht
Neue gesetzliche Regelung bringt Klarheit und wird von Palliativmedizinern und Hospizverein begrüßt
Von Christiane Funke
und Sabina Dannoura

Freising - Auf positive Resonanz stößt die gesetzliche Regelung der Patientenverfügungen bei Palliativmedizinern. Ärzte und Vertreter von Hospizvereinen sehen in dem Gesetz, das der Bundestag am Donnerstag beschlossen hat, einen Schritt hin zu mehr Rechtssicherheit. Es legt fest, dass der früher verfügte Wille über lebenserhaltende Maßnahmen verbindlich ist, wenn sich ein Patient nicht mehr selbst äußern kann.

Das Gesetz wird einen neuen Reflexionsprozess in Gang setzen, das ist sehr wertvoll", meint Saskia Rupp, Oberärztin in der Palliativstation der Klinik Wartenberg, die über zehn Betten verfügt. Persönlich hätte die Allgemeinmedizinerin favorisiert, dass nur schriftlich formulierte Verfügungen gegolten hätten. Liegt keine Patientenverfügung vor, müssen Arzt und Betreuer den mutmaßlichen Willen ermitteln. Das Gesetz sieht vor, dass auch mündliche geäußerte Wünsche anerkannt werden. „Es ist schon wichtig, dass das Wort des Patienten gilt", räumt Rupp ein. 


Andererseits müsse der Arzt nun nach wie vor Krisengespräche mit Angehörigen führen.
Hoffnungen in das neue Gesetz setzt Eva Pröscholdt-Graupner, Oberärztin der Palliativstation im Klinikum Freising, wo ebenfalls zehn Betten zur Verfügung stehen. Die Medizinerin erwartet, dass die Patienten künftig detailliert die Umstände beschreiben, unter denen sie nicht mehr künstlich ernährt oder beatmet werden wollen. Für Ärzte wäre es eine große Hilfe, wenn die Verfügungen differenzierter und individueller verfasst würden, schildert sie. Etwa ab welchem Stadium der Kranke nicht mehr künstlich ernährt werden möchte, wenn er zum Beispiel aufgrund von Schluckbeschwerden keine Nahrung mehr aufnehmen, nicht mehr kommunizieren könne und vollständig pflegebedürftig und bettlägerig sei. Sinnvoll fände es Pröscholdt-Graupner, wenn der Patient über seinen letzten Willen mit seinem Hausarzt sprechen würde.
Von den drei Anträgen, die im Bundestag vorlagen, sei der beschlossene Gesetzesentwurf der beste, findet Bruno Geßele vom Freisinger Hospizverein. Geßele, der seit vielen Jahren Vorträge über Patientenverfügungen hält, stellt aber auch klar: „Gegenüber der bisherigen Rechtsprechung verändert sich nicht viel, das Gesetz schreibt die Rechtslage nur fest."
Ärzte, Vormundschaftsrichter oder Pflegeheimleiter müssten sich nun allerdings besser informieren. Grenzfälle, die für Ärger und Schlagzeilen gesorgt hätten, würden mit dem neuen Gesetz wohl seltener, hofft Geßele, „und die Wahrscheinlichkeit, dass der Patientenwille in der Praxis ernst genommen wird, steigt". Positiv findet es Geßele, dass eine Beratung empfohlen, aber nicht vorgeschrieben ist: „Jede weitere formale Hürde, den Patientenwillen abzufassen, ist schlecht."